Projekte 2010

Ein See geht baden- Umweltkatastrophe am Atitlan-See

Der Atitlán-See gilt als Wahrzeichen Guatemalas. Jetzt sind die Folgen von Umweltverschmutzung und Klimawandel deutlich spürbar: Blaualgen machen das einst klare Wasser zu einer Kloake.
Seit jeher ist er ein Muss für jeden Reisenden: Der Atitlán-See im Hochland Guatemalas. Noch vor 3 Jahren konnte das Auge des Besuchers über tiefblaues Wasser hin zu den drei Kegelvulkanen Atitlán, Tolimán und San Pedro schweifen und die bunte Trachtenwelt der Mayadörfer am See bewundern. Der See war nicht weniger als DAS Aushängeschild Guatemalas, ein Ort zum Entspannen, zum Träumen und für viele auch zum Bleiben. Für die einheimische Maya-Bevölkerung sichert der See die Lebensgrundlage, da sie von den Einnahmen des Tourismus abhängig geworden sind.
Doch damit ist es erst einmal vorbei.
Seit Oktober 2009 ist der gesamte See mit Cyanobakterien vom Typ Lyngbya Hieronymus bedeckt, auch als Blaualgen bekannt. Infrarot-Fotos zeigen riesige Spiralen, die sich über den See ziehen, doch auch schon mit bloßem Auge lässt sich von Oben das Ausmaß der Katastrophe erahnen. Fischen kann hier niemand mehr, am Ufer riecht es faul und die Angst ist groß, dass mit dem Atitlán-See auch der Tourismus dauerhaft geschädigt wird.

Gnadenlose Umweltverschmutzung:

Guatemala hat ein riesiges Müll-Problem, alles wird in die Landschaft gekippt. Gründe für die Algenpest gibt es viele und gewarnt wird schon seit langem. Die Hauptursachen:
Die Abwässer, die ungeklärt in den See fließen. Der Müll auf ungesicherten Müllkippen. Der Kunstdünger, den die Bauern seit Jahren auf die Hänge am Rand des Sees werfen und die beim ersten Regen in den See gespült werden. Hinzu kommen Phosphate aus Waschmitteln und das Altöl, dass die Bootsfahrer in den See kippen.
Die im Oktober 2005 durch den Hurrikan Stan zerstörte Kläranlage in der Stadt Panajachel wurde seither nicht wieder in Betrieb genommen, so dass die Abwässer ungeklärt in den See gelangen. Der Tropensturm Agatha Ende Mai 2010 schwemmte wieder Unmengen an Müll in den See, riesige Flächen sind bedeckt mit Unrat und verschärfen das Problem um ein Vielfaches. Umweltorganisationen warnen zudem seit Jahren vor dem Entwalden der Berghänge und der Vernichtung von Schilfbeständen. Eingesetzte Fische haben das Ökosystem aus dem Gleichgewicht gebracht – und der Klimawandel führt zusätzlich hier zu immer weniger Regen und zu höheren Temperaturen. Alles zusammen eine fatale Mischung – die den Algen gefällt.

Selbst wenn morgen alle Kläranlagen stehen, alle Phosphatwaschmittel und aller Kunstdünger verboten würden: Das, was sich bereits im See angesammelt hat, würde den Cyanobakterien noch für Jahre Nährstoffe geben.

Was wird getan?

Die Umweltstiftung Global Nature Fund (GNF) hat den See zum „Bedrohten See des Jahres 2009“ ernannt und unterstützt seine Partnerorganisation Asociación Vivamos Mejor Guatemala bei der Umsetzung konkreter Maßnahmen zum Erhalt des Sees. Der GNF ist eine unabhängige Stiftung für Natur und Umwelt mit Sitz in Radolfzell am Bodensee. Die Organisation ist Gründer des internationalen Seennetzwerks Living Lakes, das sich weltweit für den Schutz von Seen, Feuchtgebieten und Trinkwasserreserven einsetzt und wird von weltweiten Firmen wie z.B. Lufthansa unterstützt. Der GNF und seine Partnerorganisation Vivamos Mejor arbeiteten ein Projekt
aus, welches Umweltschutz- und Umweltbildungsmaßnahmen am See enthält.
Das Projekt läuft seit Beginn des Jahres. Im März 2010 traf sich die Präsidentin mit unseren Ehrenmitgliedern Katt direkt am See um gemeinsame Lösungen zur Rettung des Sees zu suchen.

Der Schirmherr des Vereins und deutscher Honorarkonsul Jürgen Katt, der seit mehr als 20 Jahren vor Ort lebt, unterstützte von Oktober 2009 bis März 2010 den Bau einer kleinen ökologischen Kläranlage.

Das Projekt basiert auf einer einfachen Idee der englischen Naturwissenschaftlerin Margret Dix, die sich seit 1968 um den Atitlansee kümmert. Es gibt 3 Einleitungen von Abwässern, die ungeklärt in den Fluss und von dort in den See gelangen. Diese Abwässer sollen nun aufgefangen und mittels eines Rohrsystems zu einer 350 Meter entfernten erhöhten Stelle gepumpt werden, wo sie ein Auffangbecken aufnimmt. Von diesem Becken fließt das Wasser durch ein langes Grabensystem in Schlangenlinien langsam in den See. Der gesamte Graben ist mit Sand, kleinsten Steinchen und Kieselsteinen gefüllt. In dem Graben werden verschiedene Pflanzen gesetzt. Dieses auf Schwerkraft basierendes natürliche System entzieht den Abwässern den größten Teil der Schadstoffe, BEVOR es in den See gelangt! 

Es handelt sich um ein kleines sinnvolles und wirksames Projekt. Leben und Gesundheit der Menschen rund um den See sind in Gefahr. Betroffen sind in erster Linie die Kinder. Sie sind anfälliger für Durchfall- und Darmerkrankungen, welche Todesursache Nr.1 sind!

Die Arbeiten an dem Projekt wurden im März 2010 fertiggestellt, der Tropensturm Agatha Ende Mai hat die Anlage fast vollständig zerstört.

Wie verheerend die Auswirkungen des Tropensturms Agatha auf den Zustandes des Sees sind kann sich im Moment noch niemand vorstellen, momentan ist es fraglich, ob der See zu retten ist.

Andrea Dörr

Bau eines Brunnens

Brunnenbau in der armen Schule von Churunel. Wolfgang Mayer aus Polch war der Initiator und Organisator eines Sponsorenlaufes der Stephanus-Schule im Stadion von Polch. Die Schule Churunel liegt einsam und verlassen von der Außenwelt in den Bergen über 2.000 m Höhe, abseits der Panamericana und ist nur mit einer waghalsigen Fahrt mit einem Allrad-Pick-up erreichbar. Die Schlüsselübergabe erfolgte im Juli 2010 persönlich von Wolfgang und Ute Mayer.