Reisebericht 2011 – Birgit Reiner

Gemeinsam mit Mitgliedern und Gönnern des Atitlan Vereines, sowie unserem Reiseleiter Josef Fuhrmann erlebten mein Mann Kurt und ich im Februar 2011 eine spannende und erlebnisreiche Rundreise durch das vielfältige Land Guatemala. 

1. Tag

Hauptziel der Reise war Panajachel am Atitlan-See, wo wir uns vor Ort laufende Projekte des Vereines ansahen, und einen Einblick in die Lebensbedingungen der einheimischen Bevölkerung bekamen. Hier sollten wir auch die einmalige Gelegenheit erhalten, einen von uns finanzierten Gebäudeanbau – einen Essensraum – vor Ort einzuweihen. Doch dazu an späterer Stelle mehr.
Nach einer scheinbar nicht enden wollenden Reisedauer von fast 27 Stunden erreichten wir Guatemala Stadt und fielen erstmals todmüde in unsere Betten im spartanisch eingerichteten Spring Hotel.
Unser erster Tag begann nach einer Einführung von Josef mit einer Stadtbesichtigung. Mit dem sogenannten Touristenbus fuhren wir bis zum Parque Jocotenango. Nachdem wir uns mit Tortillas – bestrichen mit Avocodomus – und gebackenen Bananen gestärkt hatten, traten wir zu Fuß den Rückweg an und erhielten so einen kurzen Eindruck über die Hauptstadt der Guatemalteken.

2. Tag

Per „Hühnerbus“, (gemeinsam mit Einheimischen) ging es weiter zur Besichtigung der Maya Stätte „Copan des Ruines“ in Honduras, welche zum Weltkulturerbe gehört. Die Bauwerke sind nicht so hoch und die Anlage ist auch nicht so groß wie Tikal oder Chichen Itza, aber die Grazilheit der einzelnen Skulpturen ist beeindruckend.

4. – 6. Tag

Unser nächstes Ziel: Livingston am Ende des Flusses Rio Dulce gelegen. Ein kleines Stückchen Guatemala an der karibischen Küste. Von Puerto Barrios aus fuhren wir mit einem Schnellboot nach Livingston, wo wir die nächsten 2 Tage verbrachten. In unserem Hotel „Casa-Rosata“ wohnten wir in kleinen schilfgedeckten Mini-Holzhäuschen. Alles war sehr einfach, aber sehr gemütlich. Livingston kann man nur mit dem Boot erreichen und es ist hier völlig anders als im Rest des Landes; es ist ein kleines gemütliches, schon sehr touristisches Städtchen. Die dunkelhäutigen Bewohner leben auf karibische Art

Bob Marley ist im Geiste anwesend. Bei gemütlichen Spaziergängen entlang des karibischen Meeres oder durch die Straßen des Ortes mit stets lachenden, zufrieden wirkenden Menschen konnten auch wir die Seele baumeln lassen.
Im Restaurant „Buga Mama“ feierten wir abends alle gemeinsam den Geburtstag von meinem Mann Kurt. Wir hatten das Glück in den Genuss einer Tanzvorführung von
Einheimischen zu kommen und blicken auf einen wunderschönen Tag zurück.
Am nächsten Tag hieß es Abschied nehmen. Es ging mit dem Boot den Rio Dulce flussaufwärts Richtung Rio Dulce oder auch San Relleno genannt, vorbei an Kreidefelsen und darüber den Dschungel mit seinen Vogelarten und den am Ufer lebenden Menschen.

Unterwegs Haltestop am Internat „ Ak Tenamit“, mitten im Dschungel. Hier können Kinder – unter Mitwirkung von Fördervereinen, deren Ziel es ist Paten für bedürftige Kinder zu finden – gegen eine jährliche Gebühr den Primär- oder Sekundarabschluss machen. Josef ist hier bekannt und wurde freudig begrüßt. Besonders freuten sich die Schüler über einen von Siegfried Blüml mitgebrachten Fußball.

In St. Relleno angekommen ging es mit dem Bus weiter bis nach Flores, einer Inselstadt im Department Peten`, dem Norden Guatemalas. Hier verbrachten wir die nächsten Tage im Hotel „Casazul“, mit schönem Blick auf den See. Es wäre alles gut, wenn nur das Duschwasser warm wäre.

7. Tag

Von Flores aus brachen wir um 7.00 Uhr nach Tikal auf, der größten Mayaruine mitten im tropischen Regenwald Peten, wo Brüllaffen, Tukane und Nasenbären zu sehen sind. Tikal gehört mit Copan seit 1979 zum Weltkulturerbe der UNESCO.Der Ausblick von Tempel 5 ist imponierend. Dichter Dschungel, soweit das Auge reicht, dazwischen ragen die beeindruckenden Tempel-Ruinen der Maya-Stadt Tikal heraus.

8. – 9. Tag
Nächstes Ziel ist El Ceibal, auch eine kleine Mayastätte. Wieder ist um 7.00 Uhr Abfahrt und nach einer 2 stündigen Bootsfahrt mit unserem Kapitän Edil über den Rio de la Passion, erwartete uns ein spannender und interessanter Marsch durch den Dschungel mit Besichtigung einzelner Stelen.
Ein freier Tag war uns gegönnt, den wir zum gemütlichen Bummel durch Flores, mit einem Besuch der Museumsinsel Santa Barbara nutzten. Auf der Insel ist auch ein Rundfunksender stationiert. Kurt und ich machten uns die Gaudi und setzten einen Gruß ab an unsere deutschen und guatemaltekischen Freunde. Schade, dass sie wohl keiner gehört hat.

 

10. Tag
In einer teils atemberaubend schnellen 9-stündigen Busfahrt ging es zurück über die Panamericana nach Süden, mit Übernachtung in Guatemala-Stadt. Dort angekommen, fielen wir müde und wieder voller neuer Eindrücke ins Bett und schliefen uns aus.
11.Tag
Wir reisten weiter in das anmutige und beschauliche Städtchen Antigua.
Hotel „Santa Clara“, mit Blick auf die beiden Vulkane, wird für die nächsten 3 Tage unser Nachtlager sein.

Nach einem ausgiebigen Frühstück im Dona Luisa – das beste Granola-Müsli mit Yoghurt und Ananas, Papaya, Mango,Melone und Banane – führte Josef uns durch die idyllischen Gassen mit beschaulichen und anmutigen Innenhöfen, die zum Verweilen einluden. Als einen Ort der Ruhe und Entspannung empfanden wir die Besichtigung des zum Hotel umgebauten ehemaligen Dominikanerklosters (5. Jahrhundert) Santo Domingo. El Paso de los Museos nennen sich fünf zusammengeschlossene Museen im Hotelkomplex, mit wechselnden Ausstellungen, einem Kerzenmuseum (das Hotel selber benötigt täglich mehrere tausend Kerzen für die allabendliche Beleuchtung), sowie dem Glasmuseum mit einer einmaligen Sammlung an Maya-Keramik und moderner Glaskunst. Abends genossen einige aus unserer Gruppe riesige, leckere an einem Eisengestell hängende Fleischspieße, eine Spezialität des Restaurants Las Antorchas. Zum Absacker geht es in die Salsabar „Frieda´s“.

12. – 13. Tag

In einem nahegelegenen Ort Vorstellung von Musikinstrumenten der Mayas durch Lily mit anschließender Besichtigung der Kaffeefinka „La Azotea; Guatemala ist einer der größten Kaffee-Exportnationen.
Ein Besuch der Macadamia – Nußfarm „Valhalla“, vorweg hier Frühstück mit leckeren Pan-Cakes.
Abschließend in San Pedro da las Puertos Besuch einer Jade-Schleiferei mit Erklärung und Demonstration der einzelnen Verarbeitungsschritte. Die Jadekunst ist besonders stark in Antigua vertreten; man hat mittlerweile 25 verschiedenfarbige Jadesteine entdeckt: von weiß über schwarz, bis zartlila und babyblau. Echte Jadesteine sind schnitt- und kratzfest.
Bei unserer Rückfahrt mit Zwischenstopps an mehreren Dörfern erleben wir das Leben und Treiben der freundlichen und stets offenen einheimischen Menschen.
Abends Abschluss im Restaurant „ Posada de los Rodrigues“.

14. Tag
Um 5.15 Wecken durch Josef – er machte es uns nicht immer leicht. Nach einem leichten Frühstück ging um 7.00 Uhr pünktlich mit dem Hühnerbus zu unserem Hauptreiseort Panajachel, kurz Panä genannt. Hier am „schönsten See der Welt“, dem Atitlan-See werden wir für eine Woche bleiben. Dies nahmen wir zum Anlass uns von den bisherigen sehr spartanischen Unterkünften, meist ohne warmes Wasser, zu verabschieden und uns den Luxus eines Zimmers inclusive Bad mit „warmem und üppigem Wasserstrahl“ zu gönnen: Hotel „Real Santander“. Welch eine Wohltat!
15. – 20. Tag
Kurz vor elf Uhr Mittag Ankunft in Panä, mit Begrüßung durch Astrid und Jürgen Katt, den Projektbetreuern vor Ort. Nach ausgiebigem Frühstück in deren Restaurant „Atlantis“, gab es eine kurze Orientierung, so dass wir informiert waren über Banken und Einkaufsmöglichkeiten. Im Anschluss Führung durch den Ort Panä. Josef zeigte uns auch die durch den Orkan Stan 2005 verursachten immensen Schäden. Es gab etliche Tote durch Schlammlawinen. Beim Orkan im September 2010 wurde u.a. ein fast errichtetes Stadion, sowie eine vom Atitlan Verein finanzierte Hängebrücke zerstört. Am Abend saß ich mit Kurt in der Sunset-Bar. Gemeinsam beobachteten wir den schönen Sonnenuntergang am See.
Nach einer heißen Dusche Abendessen auf Josefs Empfehlung im Casablanca, begleitet von einer superguten Pina-Colada in der ausgehöhlten Ananas mit einem guten Schuss Rum: „Pina en su Pina“! Der eine oder andere konnte den Heimweg nicht mehr per Pedes sondern nur noch per Tuk-Tuk zurücklegen. Der nächste Tag war ein Sonntag. Heute war Markttag in Santo Tomás Chichicastenango. Wir besuchten den Schweinemarkt und beobachteten das Treiben in der riesigen Fruchtmarkthalle. Zwei katholische Kirchen – auf ehemaligen Mayatempeln erbaut – befinden sich hier am Markt. Die größere Santo Tomas, wurde 1540 von den Dominikanern errichtet. Die Stufen des Maya-Tempels, die zu ihr hinaufführen, sind Zeichen dieses Kompromisses der Padres, um die abergläubische Bevölkerung in die Kirche zu bekommen. Die Treppe dient als Opferstelle. Indigena Frauen sitzen am Fuße der Treppe und es brennt stets Feuer für Räucherwerk. Bündel aus Blumen und Kräutern sollen die Verbindung zu den Göttern herstellen. Auch in der Kirche selber befinden sich im Mittelgang Vertiefungen im Boden, wo die Indigena Blumen, Kerzen und Schnaps opfern.
Wir trafen uns anschließend im Hotel Santo Tomas und spazierten nach einer kurzen Erfrischung gemeinsam zu „Cimitero General“ einem auf einer Anhöhe gelegenen farbenprächtigen Friedhof.
Wir hatten gut und ausgiebig geschlafen und waren für den neuen Tag gerüstet. Heute steht Bootfahren auf unserem Programm. Wir trafen uns nach dem Frühstück am See und schipperten bei strahlendblauen Himmel mit einem eigens gemieteten Boot über den wunderschönen Atitlan-See. Die beiden Vulkanberge lagen klar und ohne Dunstschleier vor unseren Augen. Ein wunderschönes Panorama. Unser erstes Ziel war San Pedro, ein ungewohnt sauberes Städtchen am See. Der Bürgermeister hat hier wohl seine Schäfchen im Griff. Wir besuchten die Web Cooperative „Lema“, welche bis vor einigen Jahren von der Konrad-Adenauer-Stiftung gefördert wurde. Es werden nur mit Naturfarben eingefärbte Garne verarbeitet bzw. am Webrahmen verarbeitet. Wir erstehen 2 schöne Tischläufer.

Weiter ging es zum Nachbarort Santiago de Atitlan. Hier besuchten wir Maximon, ein Heiliger der von den Indigenas verehrt wird. Ihm wird mit Alkohol, Zigaretten und Kerzen gehuldigt. Der Alkohol wird ihm in den Mund geflößt, die rauchenden Zigaretten in den Mund gesteckt. Maximon repräsentiert allerlei Gottheiten der Indigenas und resultiert aus einem Verbot ihres alten Glaubens. Diesen alten Glauben findet man auch in der Kirche wieder. An den Wänden sind katholische Heilige aufgereiht, die mit bunten Stoffen bekleidet sind.
Etwas weiter den Berg hinunter Richtung Bootsanlegestelle entdeckten wir noch ein kleines Atelier mit großen und schönen Ölbildern in farbenprächtigen Farben. Der Künstler versuchte uns in Spanisch zu erklären, was er malen und ausdrücken wollte. Es war so interessant, dass wir die Zeit vergaßen und verspätet zu unserem Boot zurückkehrten.
Es ging weiter zum vorerst letzten Ziel des heutigen Tages: San Antonio. Auch dieser Ort ist wie die vorherigen in den Berg gebaut und wir kletterten erstmals die Stufen hinauf bis zur Kirche. Von hier aus hat man bei strahlendblauem einen atemberaubenden Blick über den gesamten See. Anschließend Rückwanderung durch das Armenviertel des Ortes. Hier gab es im September letzten Jahres auch etliche Tode durch Schlammlawinen. Wir kommen an einem Hausneubau vorbei. Die Dachdeckerarbeiten sind im Gange. Kurt lässt es sich natürlich nicht nehmen, eine kleine Fachsimpelei mit dem Bauleiter mittels Handzeichen zu führen.
Vor dem Einsteigen in unser Boot erstanden wir noch zwei Dutzend handgemachte Sorgenpüppchen. Wenn man eine Sorge hat, sucht man sich ein passendes Püppchen aus und erzählt ihm seinen Kummer. Dann legt man das Püppchen weg und damit auch gleichzeitig die Sorge. Psychotherapie a la Maya. Eine sehr schöne Art und Weise sich den Kummer von der Seele reden zu können.
Rückfahrt nach Panä mit Abendessen bei Familie Katt.
Gemeinsam mit Astrid Katt besuchten wir am nächsten Tag die Schule des Bgm. Don Franzisko – der sich schon jahrelang unermüdlich für die Belange seiner Schule einsetzt – in St. Andres. Mit Helga besuchen wir einige Tage später die Schule „Raffael Tellez G.“ in Belen im Department Solola im Hochland. An beiden Schulen konnten wir uns, und auch unsere mitgereisten ehemaligen Pädagogen, von der guten Qualität des Unterrichts überzeugen.

Astrid Katt ist in erster Linie zuständig für die Auswahl der Kinder,die für ein Stipendium in Frage kommen, sowie für die jährliche Kontrolle der Einhaltung der Anforderungen verantwortlich.
Nachmittags besuchten wir eine Zeltstadt, in der 32 Mayafamilien leben.
Diese wurden im September 2010 durch starke andauernde Regenfälle obdachlos und leben seitdem mit ungewisser Zukunft in dieser Zeltstadt, da sie in ihren alten Ort nicht zurückkehren dürfen. Die Männer verdienen sich ihren Lebensunterhalt mehr schlecht als recht mit Tagelohnarbeiten. Ihre Grundlage zum Überleben, den Anbau von Mais und Bohnen haben sie verloren. Ihnen mangelte es hauptsächlich an Lebensmitteln. Spontan entschloss sich unsere Gruppe unbürokratisch zu helfen. Bereits

für den übernächsten, unseren letzten freien Tag, wurde ein Lebensmitteltransport mit Mais, Bohnen, Zucker, Öl organisiert.
Jürgen Katt besorgte einen Pickup und so konnten unsere Männer bereits 2 Tage später überglücklichen Frauen und Kindern die nächsten 2 – 3 Monate überleben sicherstellen. Wir hoffen, dass bis dahin von der Regierung eine praktikable und gute Lösung für die Mayas gefunden wird.
Der folgende Tag brachte uns nochmal so richtig ins Schwitzen. Heute war von Josef eine Wanderung entlang des Sees geplant. Wir starten um 7.00 Uhr mit einer kurzen Bootsfahrt nach Santa Cruz. Hier fand ein Frühstück bei „Anne“, einer Deutschen, statt. Sie betreibt gemeinsam mit Ihrem Mann am See eine kleine gemütliche Pension. Anschließend ging es im Zickzack-Kurs zuerst entlang des Seeufers Richtung Jai Balito. Doch schon bald ging es weg vom Ufer und wir durchstiegen romantische unbefestigte Wanderwege (teils schon sehr wagemutig) mit tollen Panoramablicken auf den Atitlan-See. Nach 2 Stunden, es war Gott sei Dank nicht sehr warm, erreichten wir unseren Mittagsstopp. Hier wurden wir bereits von unseren fußkranken Jürgen und Karina erwartet. Die Mühe hatte sich gelohnt. Das von einem Belgier, namens Thierry , geführte Hotel Tzuzuma bot einen sagenhaften Blick auf den See und zudem bekamen wir ein leckeres Mittagessen. Nach einer ausgiebigen Siesta ging es gut gelaunt hinab in den gleichnamigen Ort Tzuzuma. Es ist ein sehr armes Dorf, mit wiederum unzähligen Kindern, die uns hinterherlaufen.
Nach weiteren 100 Minuten Fußmarsch erreichten wir San Marcos. Es ist schon nach halb fünf und wir mussten uns sputen, um das letzte Boot nach Panajachel nicht zu verpassen. Glück gehabt. Um 17.35 erreichten wir Panä und schafften es gerade noch in unser Zimmer, bevor ein mächtiger Regenguss einsetzte.
In dieser Nacht schliefen wir tief und fest und freuten uns auf unseren vorletzten, aber freien Tag, in Panajachel.

Heute fuhren die Männer nach dem Frühstück gemeinsam mit Jürgen Katt auf den Markt, um die Lebensmittel zu kaufen. Im Anschluss ging es direkt in die Zeltstadt. Die Freude dort war groß.
Bis zu Rückkehr der Männer genoss ich ein Sonnenbad im Garten des Atlantis. Nachmittags bummelte ich über den Markt, um noch ein paar Gewürze, wie z.B. Pfeffer, verschiedene Chilis und Kardamon zu kaufen.
Nachmittags beschlossen Siegfried, Kurt und ich einen Abstecher in den Nachbarort San Caterina zu machen. Wir ließen uns mit einem Tuc-Tuc die knapp 4,5 km hinfahren. Dort angekommen bummelten wir gemütlich durch den Ort und sahen uns das Geschehen an. Was uns hier wieder einmal erschreckte, war zu sehen, dass viele Kinder zum Lebensunterhalt der Familie beitragen müssen. Kinderarbeit ist an der Tagesordnung: kleine Mädchen sitzen beim Weben, wobei sie gleichzeitig ihre kleineren Geschwister behüten. Jungen im Alter von 6 bis 7 Jahren transportieren bereits schwere Lasten auf ihren Rücken oder verdienen ein Zubrot durch Schuhe putzen.

Unser letzter Tag und gleichzeitig einer unserer emotionalsten Tage in Panajachel nahte. Bereits um 5.40 klingelte der Wecker und es heißt aufstehen. Für 7.00 Uhr hatte Josef einen Kleinbus bestellt, der uns über Solola weiter ins Hochland zur Schule Churunnell II bringen sollte. Nach ca. 1 Stunde Fahrt heißt es umsteigen in Pickups.

Über eine unbefestigte, holprige und staubige Straße ging es bergab zur Schule, die aber dennoch auf einem Plateau liegt, umgeben von Tälern und Hügeln, in denen die Kinder der Schule mit ihren Familien leben.

Hier wird heute die Einweihung des direkt an die angrenzende Küche angebauten Essens- bzw. Versammlungsraumes stattfinden. Die Kinder können von nun an gemeinsam an Tischen und auf Hockern sitzend, das von den Müttern zubereitete Essen verzehren.

Wir wurden bereits erwartet. In Reih und Glied aufgestellt, wurden wir mit Guatemalas Fahne und Nationalhymne, gesungen auf Kaqchiquel, empfangen. Die Kinder überreichten gebastelte und gemalte Geschenke und führten uns zu Ehren Tänze vor. Anschließend wurde von meinem Mann und mir, gemeinsam mit der Direktorin die feierliche Einweihung des Raumes vorgenommen.
Im Anschluss wurde das vom Verein gespendete Schulmaterial, in Form von Heften und Stiften, klassenweise an insgesamt 130 Kinder verteilt.
Es war ergreifend zu sehen wie man mit geringen Mitteln und Aufwand Dinge verändern kann.

Am nächsten Morgen hieß es Abschiednehmen von Astrid und Jürgen, sowie von Helga.

Letzte Übernachtung im Hotel „Pan Americana“ in Guatemala Stadt, bevor es am Montag den 28. Februar über Houston, Texas zurück nach Frankfurt ging.
Wir sind uns fast alle einig, die Reise war mit all Ihren Höhen und auch Tiefen, ein einmaliges unvergessliches Erlebnis.
Die strahlenden Augen der Kinder werden wir in unserem Gedächtnis behalten.
Sicher sind wir auch in unserem Empfinden, möglichst viel von unseren Erlebnissen weiterzugeben, um vielleicht auch andere Menschen anzuregen für die Kinder und Menschen am wunderschönen Atitlan-See in irgendeiner Art und Weise tätig zu werden.
Vielen Dank für das Lesen unserer Herzenssache
Ihre Birgit Reiner